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Monte Höhö

Diplomrede, Zürich, 2008

Fabian Kiepenheuer, Lukas Wolfensberger

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Professorinnen und Professoren, liebe Diplomandinnen und Diplomanden.

Ehrlich gesagt, fiel es uns nicht ganz leicht so kurz nach dem Abschluss ein paar rückblickende Worte zum Studium zu finden und all die Jahre in einigen Minuten zusammen zu fassen.

Rückblickend haben wir uns, in der doch langen Zeit, wahrscheinlich alle verändert. Aber nicht nur wir, sondern auch das Departement Architektur hat mit dem Wechsel zum Bolognia-System eine neue Gestalt angenommen, deren Konsequenzen weiterreichender sind als nur formaler Natur.

Als Studenten des alten Diplomstudienganges kamen wir uns in der immer grösser werdenden Architektur-Fabrik oft wie eine aussterbende Spezies vor. Das Atelier Gisel oder auch das Studio Basel stellen sich den zentralisierenden Tendenzen auf dem Hönggerberg als ETH Exklaven entgegen, die wir während unserer freien Diplomarbeit besonders schätzten. Sie sollten unserer Meinung nach gestärkt und weiter ausgebaut werden.

Doch anstatt uns hier in politische Abhandlungen zu verstricken, möchten wir an dieser Stelle eine Bildergeschichte über die Ersteigung des Monte HöHö vortragen.

Vor langer Zeit machten sich junge Menschen auf den Weg, den Monte HöHö zu erklimmen, so auch FaKi und WoLu. Sie alle hatten keine Ahnung, was für Abenteuer auf sie warteten, als sie sich im Tal vor dem hohen Berg versammelten. Der Weg war steil und unwegsam, doch die fröhliche Schar trieb sich gegenseitig an und marschierte in feurigem Tempo bergaufwärts. In einer tektonischen Überwerfung befand sich die kristalline Plazes Höhle, wo sie kurz Rast machten, um danach den spitz- und scharfkantigen Felsen Mont Angeles zu erklimmen. FaKi und WoLu lernten spielerisch und in Teamarbeit, dass die kleinen Schritte eher zum Ziel führten als die grossen. Andere gaben aus Erschöpfung auf und kehrten um.

Auf dem Felsen vergabelte sich der Weg in drei Richtungen: Der eine Weg durchquerte die tiefe Eberschlucht, die aus quaderförmigen, grossen Felsbrocken geformt war, der andere ging über die steile Rueggspitze, auf der es den Sagen nach ein Corbusier Denkmal geben sollte und der dritte führte über das hohe Schetthorn, wo es angeblich eine Quelle gab, die so klar sprechen konnte, wie ihr Wasser war. FaKi und WoLu wurde beigebracht die Kraft richtig einzuteilen, um das Ziel zu erreichen. Andere gaben aus Erschöpfung auf und kehrten um.

Die drei Wege vereinten sich wieder auf einem Felsplateau mit einem Landeplatz für Flugzeuge. FaKi und Wolu erkundeten jetzt als Kopiloten eines erfahrenen Fliegers die grosse weite Welt. Mit einem Rucksack neuer Eindrücke und frischer Energie kehrten sie zurück und machten sich wieder auf den Weg Richtung Gipfel.

Den richtigen Weg zu finden war aber nicht ganz einfach, denn es gab viele Pfade, die zur Spitze führten und über alle kursierten abenteuerliche Sagen. Als sie die Bergkapelle Sankt Erez erreichten, machten sie Rast und beteten kurz zum heiligen Gott Alerio. Sie zogen weiter und kamen zu den sagenumwobenen Mischwälder Slaviens, wo der sike Berglöwe Miro umherstreifte. Um sich nicht in der Dunkelheit zu verirren, folgten sie seinem Brüllen bis sie den Christiansee erreichten, von dem es hiess, er habe einen doppelten Boden.

An den kollhofschen Eiszapfen, die von weitem aussahen wie korinthische Säulen, kletterten sie die Gletscherwand hinauf. Als sie ganz ausser Atem die Eiskante erreichten, sahen sie am Horizont des Gletschers den edlen Schlitten des grossen Herzogs mit seiner Gefolgschaft vorbeiziehen. Die alpinen Brachen hinter sich gelassen, verschnauften sie kurz auf einer Anhöhe und blickten zurück auf vergangenen Strapazen. Wegen den vielen unterschiedlichen Erlebnissen hätten sie doch eigentlich reichlich gebildet sein sollen, stattdessen aber fühlten sie sich ein wenig verwirrt.

Zum guten Glück aber war es ja nicht mehr weit bis zur Spitze des Gipfels, die im hellen Licht der Sonne golden glänzte. Mit letzter Kraft nahmen sie den Weg in Angriff und dank zahlreichen Helfern schafften sie es schliesslich doch noch bis auf den Gipfel. „Heureka!“ Sie hatten es geschafft!

Als sich die beiden aber umsahen, mussten sie feststellen, dass der Berg in Wirklichkeit viel kleiner war, als sie immer dachten, nämlich nicht viel grösser als eine Tasse Kaffee. Eine Erkenntnis, die wir im Studium bei den meisten Projekten hatten, als wir versunken in unserer Arbeit die ganze Welt um uns herum vergassen.